Einbeziehung des Sachverständigen bei Baumängeln

Der Sachverständige spielt in der Auseinandersetzung wegen Baumängeln häufig die entscheidende Rolle. Es obliegt dem Sachverstand Ihres Anwalts, den Sachverständigen rechtzeitig und sinnvoll in eine Auseinandersetzung einzubeziehen.

Treten an Ihrem Bauwerk Baumängel auf, empfiehlt es sich, frühzeitig kompetenten Rat in Form von rechtlichem Rat durch den Anwalt, häufig aber auch Unterstützung durch Sachverständige, zu suchen. Insbesondere bei Unklarheiten, wer Mangelerscheinungen, wie etwa Feuchtigkeitsschäden, zu vertreten hat oder bei Unklarheiten über die Mangelursache, die Art und Weise der Mangelbeseitigung und die Höhe der Mangelbeseitigungskosten, ist für den Ausgang Ihres Rechtsstreits eine qualifizierte Vorgehensweise von Beginn an entscheidend.


Der Sachverständige im selbstständigen Beweisverfahren

Das Gesetz sieht in den Zivilprozessvorschriften die Möglichkeit einer vorgezogenen Beweisaufnahme im Rahmen eines selbstständigen Beweisverfahrens durch den gerichtlich bestellten Sachverständigen vor. Diese Verfahren können bei den vorstehenden Unklarheiten oder bei drohendem Beweisverlust sinnvoll sein. Für die Einleitung entsprechender Verfahren ist die Fachkompetenz Ihres Anwalts von besonderer Bedeutung, da die Formulierung der Beweisfragen, zu denen der gerichtlich bestellte Sachverständige gehört werden soll, nicht vom Gericht oder dem gerichtlichen Sachverständigen, sondern von Ihrem Anwalt erfolgen muss. Sind die vom Anwalt formulierten Fragen nicht geeignet, um das notwendige Beweisergebnis zu erhalten, sind Ihre Aufwendungen im selbstständigen Beweisverfahren vergeblich. Der Sachverständige ist an die ihm gestellten Fragen gebunden.


Das private Sachverständigengutachten

Wegen der mit dem selbstständigen Beweisverfahren in der Regel verbundenen Verzögerung empfiehlt es sich bei Auftreten eines Baumangels häufig, sofort das Hauptsacheverfahren, erforderlichenfalls mit Unterstützung eines Gutachtens eines privaten Sachverständigen, einzuleiten. Das Gutachten des privaten Sachverständigen dient dann dazu, die Klage hinsichtlich des Anspruchsgegners und der erforderlichen Kosten für die Beseitigung des Baumangels schlüssig zu machen. Es ist aber kein Beweismittel im Sinne der ZPO, so dass das Gericht in aller Regel im Rahmen des Hauptsacheverfahrens Beweis durch Einholung eines Gutachtens eines gerichtlichen Sachverständigen erheben wird. Damit muss der Bauherr, soweit der Rechtsstreit über den Baumangel nach Abnahme der Bauwerksleistung geführt wird, zunächst die Kosten für zwei Sachverständige verauslagen. Es ist in der Rechtsprechung auch umstritten, inwieweit die Kosten des vorgerichtlich eingeholten privaten Sachverständigengutachtens im anschließenden Prozess erstattungsfähig sind. Eine Erstattungsfähigkeit wird jedenfalls dann angenommen, wenn der Bauherr ein Laie ist.

Ist der Sachverständige kompetent, hat die Vorlage eines privaten Sachverständigengutachtens allerdings in jedem Fall den Vorteil, dass sich der gerichtliche Sachverständige an den Erwägungen des privaten Sachverständigen orientiert. Leider kommt es in der täglichen Praxis in Streitigkeiten wegen Baumängeln hin und wieder vor, dass gerichtlich bestellte Sachverständige selbst nicht über die nötige Fachkompetenz verfügen, so dass Sie die Vorlage eines privaten Sachverständigengutachtens vor einem Prozessverlust oder vor der Einholung mehrerer gerichtlicher Sachverständigengutachten bewahren kann.

Wir erörtern gern mit Ihnen anhand des konkreten Sachverhalts, wie Sie sich wegen eines aufgetretenen Baumangels sinnvoller Weise verhalten sollten.